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Google-Projekte. (Foto: DDP Images)

Google fördert langfristige Projekte, die die Chance auf einen revolutio­nären Durchbruch haben. Doch die Finanzmärkte bevorzugen den schnellen Gewinn. (Foto: DDP Images)

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Google: Die Welt ist nicht genug

Google gehört zu den bekanntesten und wertvollsten Unternehmen auf dieser Welt. Ein Projekt jagt das nächste, eine Innovation kommt nach der anderen. Wo geht die Reise hin für den kalifornischen Webgiganten?

Schon lange ist Google mehr als eine Suchmaschine. Das Unternehmen ist inzwischen in vielen Branchen zu Hause. Der Technologiekonzern avanciert – schon dank seiner ungeheuren Kapitalkraft (320 Mrd. US-Dollar Marktkapitalisierung, 30 Mrd. US-Dollar Reserven für Zukäufe) – zu einem Gebilde, das von Analysten gern als „Mischkonzern“ beschrieben wird. Freilich ist Google agiler, avantgardistischer und abenteuerlicher als das, was man hinter einem klassischen Mischkonzern vermutet. Das Tätigkeitsfeld reicht von Online-Werbung und Browsern (klassische Internet-Branche) über selbstfahrende Autos (Mobilitätsbranche) bis hin zu Kontaktlinsen für Diabetiker (Gesundheitswesen). Der Konzern aus dem Silicon Valley beschäftigt weltweit rund 55 500 Mitarbeiter. Kreativität, Mobilität, Schnelligkeit und Nutzerfreundlichkeit sind die obersten Maximen der Googler. Und genau diese Attribute sind auch die Zutaten für das Erfolgsrezept des US-Konzerns.

Um mehr als sagenhafte 1 100 % ist die Google-Aktie seit ihrem Börsengang 2004 gestiegen. Das Unternehmen ist eine Erfolgsgeschichte, die ihresgleichen sucht. Im ersten Quartal dieses Jahres setzte das Unternehmen 17,3 Mrd. US-Dollar um. Der Nettogewinn stieg auf 3,6 Mrd. US-Dollar. Vor 20 Jahren hätten sich die Gründer Larry Page und Sergey Brin nicht in ihren kühnsten Träumen ausmalen können, dass sie einmal Milliardengewinne mit dem virtuellen Herumschieben von Einsen und Nullen erwirtschaften würden.

Revolution statt Evolution

Auf der jährlichen Aktionärsversammlung Anfang Juni skizzierte der Vorstandsvorsitzende Eric Schmidt die Google-Strategie und verglich sie mit anderen Businessplänen. Demnach seien viele Unternehmen zum Scheitern verurteilt. Denn sie könnten sich zwar in ihrem Markt behaupten, weil sie ein einziges Projekt managen. Aber oftmals dächten sie nicht über weitere Schritte nach und hätten keine große Mission. Langfristig hätten derartige Firmen keine Chance gegen Wettbewerber wie Google, die viele Dinge ausprobieren und sich auf neue Märkte wagen. „Revolution statt Evolution“ nennt Schmidt diese Herangehensweise.

Großindustrielle mit einer 100-jährigen Firmenhistorie werden vermutlich nur müde lächeln über die Tipps zur Existenzsicherung von Firmen, die ein Execu­tive Chairman einer erst 16-jährigen Online-Unternehmung gibt. Aber Schmidts Google hat in kürzester Zeit alle Alteingesessenen überholt. Zusammen mit Apple und Microsoft gehört Google im Jahr 2015 zu den wertvollsten drei Konzernen der Welt.

Die Kalifornier verdienen ihr Geld hauptsächlich durch das Online-Anzeigengeschäft – das wächst zwar kontinuierlich, aber nicht mehr so schnell, wie die Börse sich das erhofft hat. Der Umsatz der Advertising-Sparte betrug im ersten Quartal 15,51 Mrd. US-Dollar, nur 1,75 Mrd. US-Dollar setzte Google Inc. anderweitig um. Die Zahl von 1,75 Mrd. US-Dollar „sonstige Umsätze“ ist aber genau die, die in den vergangenen Jahren stark angewachsen ist. Ein immer größerer Teil der Umsätze geht also auf Projekte jenseits des klassischen Online-Geschäfts zurück. Die sogenannten Moonshots – also außergewöhnliche Projekte – sind Teil dessen. Viele Aktionäre blicken skeptisch auf das riskante Geschäft mit der Suche nach dem großen Wurf. Anteilseigner präferieren oftmals die schnellen Gewinne – gerade bei Internet-Unternehmen. Langfristigkeit und anhaltende Kosten sind bei einer Stockholder-Orientierung nur mühsam zu begründen. Google fördert aber langfristige Projekte, die eine Chance auf revolutionären Durchbruch haben. Die Forschungs- und Entwicklungkosten sind dabei sehr hoch, viele Projekte scheitern. Der Informatiker und Vizepräsident Sebas­tian Thrun, der das Unternehmen im August verlassen hat, um sich seinen eigenen Projekten stärker zu widmen, hat das kostspielige Innovationsprogramm einmal wie folgt begründet: Der Preis, hinter dem Google her ist, „ist so groß, dass Geld auf dem Weg dorthin nicht wichtig ist“.

Auf der ganzen Welt ist der globale Konzern auf Expansionskurs. Momentan kennt Google in allen Belangen nur eine Richtung, die Richtung ihrer Internet-Ballone: steil nach oben.

WCW

08.07.2015 | 23:54

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