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Will sich beim Impfen hinten anstellen: Deutschlands Bundeskanzlerin, Angela Merkel (Foto: Alexandros Michailidis / Shutterstock)


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Impfen: Deutsche Politiker wollen für sich keine Ausnahme

Es gibt Ausnahmen vom Impfplan: Biontech impft seine Mitarbeiter, bevor sie laut Plan an der Reihe sind. In Israel, den USA und anderswo werden die Spitzen der Regierung als erste geimpft. In Deutschland allerdings reiht sich das politische Spitzenpersonal brav in den Impfplan ein. Dagegen regt sich jetzt Unmut.

Wer fürs Funktionieren des Ganzen wichtig ist, wird früher geimpft, als es der Plan vorsieht. Das gilt seit dieser Woche für die Mitarbeiter des Impfstoffherstellers Biontech, der ein freiwilliges Impfprogramm in seinem Unternehmen aufgelegt hat. Man wolle dafür Sorge tragen, dass die Lieferketten erhalten bleibe, heißt es dazu von Biontech. Die Erkenntnis dahinter: Wenn beim wichtigsten Produzenten von Impfstoff die Mixer ausbleiben, klemmt es weiter bei der Impfstoffversorgung. Biontech ist systemrelevant und macht deswegen eine Ausnahme im Impfplan.

Biden, Netanjahu: vor laufender Kamera geimpft

Was für das Unternehmen gilt, gilt auch für das politische Spitzenpersonal, bei dem die Entscheidungen über den Umgang mit der Pandemie zusammenlaufen. Jedenfalls in anderen Ländern: Der künftiger US-Präsident Joe Biden hat sich beispielsweise bereits genauso öffentlichkeitswirksam und unter eigener Twitterbegleitung impfen lassen, wie der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu. In Deutschland dagegen, wo derzeit eine Diskussion für und wider eine Impfung im Gange ist, hält sich die Regierung vornehm zurück. Offiziell will niemand vorpreschen, offenbar um sich nicht dem Vorwurf auszusetzen, mögliche Privilegien in Anspruch nehmen zu wollen.
 
Der CDU-Bundestagsabgeordnete Thomas Heilmann hält das nun für falsch. Er forderte kürzlich im Gespräch mit dem Nachrichtenportal Business Insider: „Die Kanzlerin und die anderen Regierungsmitglieder sollten mit als allererste geimpft werden.“ Regierungsmitglieder seien schließlich nur schwer zu ersetzen. Wenn sie ausfielen, verschlimmere das die Krise. Heilmann verwies außerdem auf den öffentlichkeitswirksamen Effekt einer solchen Aktion. Wenn die Kanzlerin sich vor laufender Kamera impfen ließe, wäre dies ein wichtiges Signal für die gesamte Bevölkerung, in der es bekanntlich auch Skeptiker gibt.

Politiker sind hohem Infektionsrisiko ausgesetzt


Im Kanzleramt will dennoch bislang niemand an der einmal festgelegten Reihenfolge rütteln. Ausnahmen für Regierungsmitglieder seien nicht vorgesehen. Alles laufe genauso, wie es der Verordnung des Bundesgesundheitsministeriums entspreche. „Die Bundeskanzlerin plant, sich impfen zu lassen, wenn sie anhand der Prioritätengruppe und Verfügbarkeit des Impfstoffes an der Reihe ist“, heißt es auf Nachfrage des Nachrichtenportals. Damit gilt: Menschen, die älter als 80 Jahre sind, Bewohner von Pflegeheimen, Pfleger und Vorerkrankte stehen ganz oben auf der Impfliste. Bis sie geimpft sind, dürfte es Mitte Februar werden. Danach kommen Ärzte und die Kontaktpersonen der Pflegebedürftigen an die Reihe, was wiederrum knapp zwei Monate dauern dürfte. Merkel fällt mit ihren 66 Jahren und ohne bekannte Vorerkrankungen in die dritte Gruppe und dürfte damit bis April warten müssen.

Dass die Regierungsmitglieder trotz aller Vorsichtsmaßnahmen einem hohen Infektionsrisiko ausgesetzt sind, liegt vor allem an ihren zahlreichen öffentlichen Kontakten. Prominentester fall einer Ansteckung war in der deutschen Politik bisher die Corona-Erkrankung von Jens Spahn, der sie jedoch gut überstanden hat und nach zwei Wochen seine Amtsgeschäfte wieder aufnehmen konnte. Der FDP-Außenpolitiker und Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff erkrankte bereits im März vergangenen Jahres an Corona. Die Krankheit verlief auch bei ihm glimpflich.                                    

oli

14.01.2021 | 12:02

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