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Glaubt an die Wissenschaft und gleich mehrere erfolgreiche Impfstoffe gegen das Coronavirus: Jochen Maas.


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Macher der Woche: Jochen Maas

„Wir kriegen das hin in der Wissenschaft“, sagt einer der es wissen muss: Jochen Maas ist Chef für Forschung und Entwicklung beim globalen Pharmakonzern Sanofi in Deutschland. Das Unternehmen forscht an zwei Corona-Impfstoffen, die möglicherweise beide im nächsten Jahr zugelassen werden. Und Maas ist zuversichtlich, dass es gelingt, zumindest die besonders gefährdeten Menschen schnell gegen Corona immun zu machen. Vor dem zweiten Lockdown sorgt der Wissenschaftler damit für Optimismus.

Zwei Meter vier über einen Stuhl zu klappen, erscheint nur denen nicht einfach, die es nicht seit Jahrzehnten geübt haben. Und einen Impfstoff gegen Corona auf den Markt zu bringen, ist nur für die eine Hexerei, die das dazu nötige Handwerk nicht beherrschen. Beides gilt für die deutliche Mehrheit der Menschheit. Beides gilt nicht für Jochen Maas. „Heute in einem Jahr werden wir die gefährdeten Bevölkerungsgruppen in Deutschland alle geimpft haben“, sagt Maas. Und der Satz klingt so selbstverständlich, dass Zweifel gar nicht erst aufkommen.

Der 63jährige Professor und ehemalige Handball-Nationalspieler ist seit zehn Jahren Geschäftsführer für Forschung und Entwicklung bei Sanofi-Aventis in Deutschland und damit eine der treibenden Kräfte in der Impfstoffforschung bei einem der größten Pharmakonzerne der Welt. Sanofi arbeitet derzeit unter der Leitung von Maas, einem ehemaligen Tierarzt und Biologen, gleich an zwei Impfstoffen: Einem sogenannten Totimpfstoff, der nur noch Protein und keine Viren mehr enthält und eine Immunisierung beim Menschen erzeugen soll. Und einem völlig neuen mRNA-Impfstoff. Mit diesem Serum werden kleine Stückchen Erbinformation verabreicht, die in den menschlichen Zellen die Produktion des Antigens von Sars-CoV-2 auslösen. Für Maas ist das nicht nur Neuland, sondern eine „medizinische Revolution“. Und er ist stolz: „Wir sind in der Impfstoffforschung ganz vorne mit dabei und ja: Bei mRNA-Impfstoffen gehören europäische, sogar deutsche, Firmen zur Weltspitze. Was da geleistet wird, ist ein wissenschaftlicher Durchbruch.“ Maas rechnet damit, dass es später sogar möglich sein wird, auf mRNA-Basis Kombinationsimpfstoffe herzustellen, die dann beispielsweise nicht nur gegen Corona, sondern auch gegen die Influenza und gegen andere Viruserkrankungen wirken.

Exorbitantes wirtschaftliches Risiko

Davor allerdings steht die Forschung, die Entwicklung, die Zulassung und die Produktion. Das wäre jedenfalls die normale Reihenfolge. In der Corona-Pandemie sind die letzten beiden Schritte jedoch vertauscht: Sanofi produziert den ersten Impfstoff zur Zeit bereits in Frankfurt und legt ihn auf Lager. Die Zulassung muss allerdings erst noch kommen, bevor der Konzern mit der Auslieferung beginnen kann. Maas bezeichnet das als „exorbitantes wirtschaftliches Risiko“. Sanofi habe bislang eine dreistellige Millionensumme in Forschung, Entwicklung und Erprobung eines Impfstoffes investiert, ohne zu wissen, ob er funktioniert.

Aber der Gewinn - ist er nicht auch exorbitant, wenn der Impfstoff funktioniert? Maas richtet sich auf in seinem Arbeitssessel, beugt sich nach vorn Richtung Kamera und Mikrofon. „Der Wert“, setzt er an, „der Wert des potentiellen Covid-19-Impfstoffs für die Menschen ist unermesslich.“ Der Preis dafür werde weit darunter liegen. Seine Prognose: „Die Regierungen werden überall darauf achten, dass der Impfstoff erschwinglich bleiben wird und kein Unternehmen wird sich hier ein Profitstreben leisten können.“ Investoren sehen das derzeit ähnlich. Nachdem die Sanofi-Aktie mit Beginn der Pandemie einen ordentlichen Kursanstieg hinlegte, bröckelt sie inzwischen wieder ab. Analysten verweisen eher auf andere Produkte, die der Konzern in der Pipeline hat und die möglicherweise höhere Gewinne versprechen.

Maas und seinem Team wird dabei die Arbeit nicht ausgehen. „Sars-Cov2 wird nicht das letzte Virus sein, das uns heimsucht“, sagt der Forscher. Es gebe unberührte Regionen auf der Welt, wo sich Viren tummeln, „die wir noch gar nicht kennen“. Und: „Es gibt Situationen in der Massentierhaltung, die wir nicht einschätzen können. Was passiert denn, wenn ein Vogel mit Vogelgrippe durch einen Stall mit Tieren fliegt, die Schweinegrippe haben?“ Doch der Professor säße nicht an der Spitze eines Konzerns, der für Gesundheit sorgen will, wenn er es dabei beließe. Er plädiert für etwas mehr kühle Logik als heiße Emotionen: „Die Menschen“, sagt Maas, „sind manchmal irrational.“ In Deutschland hingen sie im März und April nach Ausbruch der Epidemie an den Lippen der Virologen. Dann hätten sie im Mai und Juni erstaunt festgestellt, dass das Wissenschaftler sind, die sich auch einmal widersprechen. „Das spricht nicht gegen sie, sondern für die Wissenschaft, in der Ergebnisse diskutiert werden müssen.“ Im August habe es dann einen fröhlichen Verdrängungsprozess gegeben. Und jetzt breite sich wieder die Angst aus. Und was sagt er den Ängstlichen? Der Manager legt viel Ausdruck in diesen letzten Satz. Es klingt ein bisschen wie einst bei Barack Obama: „Glaubt uns“, sagt Maas, „wir kriegen das hin in der Wissenschaft.“             

oli

30.10.2020 | 13:16

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