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In Kauflaune: Bertelsmann-Chef Thomas Rabe.


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Macher der Woche: Thomas Rabe

Der Bertelsmann-Chef kauft einen weiteren Buchverlag dazu und holt Bestseller-Autoren wie Stephen King in die Gütersloher Hemisphäre.

Wahrscheinlich war er es nicht. Wahrscheinlich war es nicht der Ausspruch von Bestseller-Autor Stephen King, der Bertelsmann-Chef Thomas Rabe in dieser Woche dazu bewogen hat, einen der größeren Deals zu unterzeichnen, die Bertelsmann in seiner wechselvollen Geschichte gestemmt hat. Der Medienriese aus Gütersloh hat seine Position als weltgrößter Buchverlag weiter ausgebaut, indem er den US-Verlag Simon & Schuster gekauft hat. Zwei Milliarden Euro zahlen die Gütersloher dafür an den bisherigen Eigentümer ViacomCBS. Und der Ausspruch von King, der zu den mitverkauften Autoren von Simon & Schuster zählt, geht so: „Amateure sitzen und warten auf Inspiration, der Rest von uns steht einfach auf und geht zur Arbeit.“

Er weiß, wie der Familienkonzern tickt

Die Feststellung allerdings passt auf den 1965 in Luxemburg geborenen, schlaksigen Sport- und Musikliebhaber Thomas Rabe. Visionen sind nicht seine Sache, aber an die Arbeit gehen und andere dafür zu begeistern, es ihm gleich zu tun - das kann er. Genau darin dürfte der Grund liegen, weswegen er sich seit knapp neun Jahren an der Spitze eines der größten Medienkonzerne der Welt hält. Rabe weiß genau, wie Bertelsmann tickt.

Bertelsmann Patriarch Reinhard Mohn wurde mit dem Buchclub groß, als Rabe in Brüssel aufwuchs, Bassist einer Punkband war und später in Aachen studierte. In den Achtzigern brachte Bertelsmann den Deutschen das Privatfernsehen, in den Neunzigern machte die Gütersloher als eine der ersten im großen Stil mit dem Internet Kasse. Rabe arbeitete da gerade bei der Treuhand in Berlin und war unter anderem für die Privatisierung der Vermögensbestände der Staatsicherheit sowie der Nationalen Volksarmee der DDR zuständig.

Es folgten in Gütersloh der Tod des Patriarchen und die etwas bange Frage, wofür Bertelsmann unter der Eigentümerin Liz Mohn denn nun steht in einer Welt, die zwischen Facebook, Google, Apple und Amazon aufgeteilt zu sein scheint. Ein Thomas Middelhoff beantwortete die Frage mit Hybris, ein Gunter Thelen musste den Frieden mit der Eigentümerfamilie wiederherstellen und einem Hartmut Ostrowski blieb darauf nichts anderes übrig, als den Konzern zu sanieren. Das alles geschah in nicht einmal einem Jahrzehnt. 2011 übergab Ostrowski an Rabe, der damals bereits als Finanzchef Herr der Zahlen war und immer wieder hatte durchblicken lassen, dass er sich zu höherem berufen sah: Sein Interesse an Spitzenpositionen bei ProSieben Sat1 war Republik bekannt, genauso wie sein Beinahesprung an die Spitze des Mischkonzerns Haniel. Seither allerdings herrscht Kontinuität: Sowohl bei Rabe wie auch beim Konzern, der sich gern als weltgrößter Buchverlag betiteln lässt. „Bücher sind die perfekte Unterhaltung: Es gibt keine Werbung, keine leeren Batterien“ sagt Stephen King. Er frage sich, fügt der Bestseller-Autor hinzu, warum nicht jeder mit einem Buch um die unvermeidlichen toten Punkte im Leben herumkommt.

Weltgrößter Buchverlag

Tote Punkte dürfte es in Rabes Leben weniger gegeben haben. Mit dem Kauf des US-Verlags Simon & Schuster baut er die Position als größter Buchverleger weiter aus. Er nennt es einen „Meilenstein zur Stärkung des globalen Inhaltegeschäfts". Der Kauf soll aus Barmitteln bezahlt und im Laufe des nächsten Jahres abgeschlossen werden, wenn es keinen Einspruch vom Kartellamt gibt.
Für Rabe ein Selbstläufer, und er kann sich wieder anderen Inhalten zuwenden. Schließlich führt er in Personalunion auch noch die größte Unternehmenstochter, die RTL Group und ist seit diesem Jahr Aufsichtsratschef beim Sportartikelhersteller Adidas. Bei allen drei Unternehmen hat die Corona-Krise tiefe Spuren in den Bilanzen hinterlassen. Alle drei haben inzwischen ihre Ergebnisse mehrmals nach unten revidieren müssen. „Das Leben ist wie ein Rad. Du kehrst früher oder später zu dem Punkt zurück, an dem du angefangen hast“, sagt Rabes neuer Haus-Bestsellerautor King. Zumindest in diesem Punkt würde der Medien-Manager ihm doch schnell noch widersprechen.

27.11.2020 | 11:29

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