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Ford-Produktion in den USA (Bild: youtube)

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US-Automarkt: droht Kreditblase wie 2008?

Die US-Wirtschaft lebte und lebt auf Pump. In den USA sind derzeit Automobilkredite in Höhe von 1,1 Billionen Dollar im Umlauf. 2010 waren es mit 700 Milliarden noch deutlich weniger gewesen. Damit einhergehend erlebt ein berühmtes, aber riskantes Finanzkrisen-Produkt seine Renaissance. Warum? Derzeit sind zudem Kredite in Höhe von 23 Milliarden Dollar im Umlauf, die schon seit mehr als 30 Tagen fällig sind. Nun steigen auch noch die Zinsen, und die Preise für Neu-und Gebrauchtwagen sinken. Sind wir via US-Autobahn auf dem besten Weg in eine neue Finanzmarktkrise?

Es riecht nach Finanzkrise in den USA. Mitte 2016 war deren Anteil an Automobilkrediten um 17 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen. Das berühmt-berüchtigte Produkt, das großen Anteil an der internationalen Finanzmarktkrise von 2008 hatte, ist wieder da. Der Subprime-Kredit. Und mit ihm eine exzessive Schuldenanhäufung der US-Bürger. Und ja, auch die Verbriefungen jener, mithilfe sogenannter Asset Backed Securities, sind wieder da. Doch dieses Mal ist nicht der Handel mit Immobilien Ort des Spuks, sondern der mit dem „amerikanischen Heiligtum“: dem Auto. Auch auf diesem Sektor droht nun eine Blase zu platzen.

„Diese Außenseiter jedenfalls erkannten die riesige Lüge im Inneren der Wirtschaft. Sie sahen sie, indem sie etwas taten worauf der Rest der Volltrottel niemals gekommen wäre: sie sahen hin.“ Ein inzwischen recht berühmtes Zitat aus dem Film „The Big Short“, der eben von genau jenen „Außenseitern“ handelt und dabei hochinformativ und dennoch urkomisch die Finanzmarktkrise aus dem Jahr 2008 beleuchtet. Nun, so scheint es, sind diese Lügen wieder zurück. Und wieder, so scheint es, will niemand hinsehen.

Denn was vor knapp zehn Jahren am US-Häusermarkt passierte, spielt sich nun auf dem für Autos ab. Zumindest in einer unübersehbaren Ähnlichkeit. Damals, 2008, war es letzten Endes die fahrlässige und absichtlich laxe Kreditvergabe der Banken an Kunden, deren Bonität viel zu schlecht war als dass sie ihre Darlehen jemals hätten zurückzahlen können, gewesen, die schließlich in ein internationales Finanzmarktfiasko mündete. Die Rede ist von sogenannten Subprime-Darlehen. Möglich war das aufgrund eines niedrigen Zinssatzes und immerzu steigender Immobilienpreise. Über Asset Backed Securities, wurden jene Kredite zudem zu Finanzderivaten zusammengeschnürt und anschließend am Markt gehandelt. Doch dann hörten die Preise auf zu steigen und bei vielen Krediten stieg der variable Zins, womit vor allem die Subprime-Kunden, ihre Darlehensschulden nicht mehr tilgen konnten, da neben der höheren Zinsbelastung die Sicherheiten nicht ausreichten. Das Chaos war perfekt. Natürlich kam 2008 noch eine Menge mehr dazu, vor allem ein unverschämt großes Netz aus Lügen und illegalen Geschäften. Dennoch: Der Auslöser war eine nicht zu verantwortende Ausgabe von Krediten. Und genau die ist auf dem Fahrzeugmarkt nun wieder zurück. Das Subprime-Darlehen erlebt praktisch seine Renaissance.

Derzeit sind in den USA Automobilkredite auf dem Allzeithoch von 1,2 Billionen Dollar im Umlauf. 2010 lag diese Zahl noch bei 700 Milliarden, womit man beinahe von einer Schuldenverdopplung sprechen kann. Und das innerhalb von gerade einmal sieben Jahren. Und nur in Bezug auf den Autokauf. Ungefähr ein Viertel dieser Darlehen stammen aus dem Subprime-Bereich. Das alarmierende? Die Zahl steigt und steigt und steigt. 2016 im Vorjahresvergleich um 17 Prozent. Die Ausfallquote insgesamt: 3,8 Prozent. Damit sind geschätzt Darlehen in Höhe von knapp 40 Milliarden Dollar seit über 90 Tagen nicht mehr bedient worden. Ebenso bedenklich: Immer mehr der erst kürzlich vergebenen Kredite fallen aus. Das spricht sehr deutlich dafür, dass immer mehr Darlehen an bonitätsschwache Kunden ausgegeben werden.

Was sind die Folgen?

Zunächst einmal sind einige Banken und Finanzdienstleister, wie beispielsweise die Bank of America, Wells Fargo oder Santander Consumer, tatsächlich im Begriff die Fehler aus Finanzkrisenzeiten zu wiederholen. Die Kreditvergabe am Automarkt, sie läuft nach genau demselben Schema ab, wie die 2008 am Immobilienmarkt. Immer mehr Kredite werden an Menschen vergeben, die diese entweder gar nicht oder eben nur bei extrem niedrigen Zinssätzen zurückzahlen können. Die sind vor allem deshalb lukrativ, da die ausgebenden Institute aufgrund des erhöhten Risikos auch höhere Zinsen verlangen können. Die Kredite werden einmal mehr verbrieft und über die bereits erwähnten Asset Backed Securities handelbar gemacht. Die Risiken also verteilen sich in alle Herren Länder, landen unter anderem bei verschiedensten Hedgefonds. Niemand weiß so wirklich, wo sie am Ende stecken.

Bisher ging das gut. Grundsätzlich nämlich gilt der Automarkt in den USA als relativ sicher. Viele Amerikaner versuchen häufig vor allen anderen ihre Automobilschulden zu tilgen, da sie ohne Fahrzeug oft nicht mehr zur Arbeit gehen beziehungsweise am gesamten gesellschaftlichen Leben nur noch schwer teilnehmen können. Ein Leben ohne Auto, das kann man sich in den USA kaum leisten. Weiterhin waren die Zinsen niedrig, und der US-Arbeitsmarkt lief auf Hochtouren. Die Kredite konnten dementsprechend größtenteils bedient werden.

Nun aber erhöht die amerikanische Notenbank Fed kontinuierlich die Zinsen. Alleine das reicht schon um die Ausfallraten in die Höhe zu treiben, da auch bei Autokrediten die Zinsen variabel sind. Schwächelt nun auch noch irgendwann der Arbeitsmarkt, könnte die Blase platzen. Schon jetzt bekommt sie zumindest Risse. Die Absatzzahlen amerikanischer Hersteller entwickeln sich nach langem Boom negativ. Zum ersten Mal seit Jahren sind 2016 die Gebrauchtwagenpreise gesunken. Und das kratzt freilich am Wert der Kredite.

Sind wir also tatsächlich auf dem Weg in eine neue Finanzmarktkrise? Wohl kaum. Dafür ist das Volumen der ausgegebenen Subprime-Darlehen dann doch wesentlich zu klein. Eine Krise aber könnte es dennoch geben. In der Realwirtschaft. Die Automobilindustrie war maßgeblich daran beteiligt, dass es in den USA gesamtwirtschaftlich in den letzten Jahren bergauf ging. Durchschnittlich 2,2 Autos besitzt ein amerikanischer Haushalt. Durch die Subprime-Bereitschaft der Finanzinstitute konnte sich beinahe ein jeder in den letzten Jahren ein neues Auto zulegen. Nun scheinen die Märkte einerseits gesättigt und andererseits könnten viele Banken mit den nun steigenden Zinsen dann doch vorsichtiger werden mit der Kreditvergabe. Und auch die Konsumenten selbst, werden aufgrund der sinkenden Preise, ihre Wagen wohl länger fahren, um möglichst wenig Verlust zu machen. Und ganz allgemein führt die bereits hohe Verschuldung zu weniger Konsum und Wachstum. Hinsehen und nach Lösungen suchen, dass sollte man also auf jeden Fall allmählich tun. OG

 

 

20.05.2017 | 23:39

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