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Der Adam: „Er wirkt zwar jünger und freakiger, ist aber von den Genen her ein echter Opel“, so Opel-Chef Neumann.

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Der Marathon-Mann

Opel: Die Lage war und ist ernst. Jahrzehntelang wurden wichtige Trends verschlafen. Nun ist seit Anfang März Karl-Thomas Neumann neuer Opel-Chef, der im Beruf und im Sport besondere Herausforderungen liebt.

WirtschaftsKurier: Herr Neumann, Sie sind jetzt bald ein halbes Jahr im Amt. Wie läuft es an? Welche Taktik haben Sie sich für die Herausforderung Opel vorgenommen?


Karl-Thomas Neumann: Als Sportler beginne ich einen Lauf in der Regel mit verhaltener Taktik. Das geht hier bei Opel nicht, weil wir uns mitten im Turnaround befinden. Wir können das Tempo nicht eine Sekunde drosseln. Dennoch werden wir uns die Gesamtstrecke in den nächsten Jahren genau einteilen.

Ist die neue Aufgabe Ihr Traumjob?

Ja, und ich bin überzeugt, dass wir unsere Ziele erreichen werden. Es wird kein Spaziergang, aber wir haben die richtige Mannschaft und das beste Modellportfolio aller Zeiten.

Gibt es einen klaren Auftrag von GM?

Unser Mutterkonzern hat erkannt, dass er nicht einer der größten Automobilhersteller der Welt bleiben kann, wenn er in Europa nicht ein starkes Bein hat – und dieses Bein heißt Opel. Diese zentrale Rolle von Opel hat GM-Chef Dan Akerson bei seinem Deutschland-Besuch im April klar unterstrichen. Mein Auftrag ist es, Opel zu stabilisieren und wieder wachsen zu lassen.

Glauben Sie, dass Opel als Marke wieder den Glanz der 70er-Jahre haben wird?

Durchaus. Momentan steht unsere Marke nicht da, wo ich sie gerne hätte. Aber die Diskussion um das Markenimage gibt es interessanterweise nur in Deutschland. Wenn Sie nach Polen fahren, hören Sie: „Opel ist eine ganz tolle Marke.“ Das Gleiche gilt für Russland oder die Türkei. In Spanien sind wir Marktführer und in England mit Vauxhall die Nummer zwei.

Wie erklären Sie sich das Imageproblem der Marke Opel bei den Deutschen?

Das geht auf Diskussionen der 90er-Jahre über Qualität und Modellpolitik zurück. Dennoch hat jeder noch heute zumindest eine sehr emotionale Meinung zu Opel. Klar ist: Wir machen Fortschritte.

Woran machen Sie das konkret fest?

Allein hier in Deutschland gewinnen wir seit fünf Monaten Marktanteile. Von 5,8 % im Dezember auf 7,1 % im Mai – und das in einem Markt, der um 10 % schrumpft. Man kann es also auch in einer schwierigen Situation schaffen, wenn man kämpft und wenn man sich richtig aufstellt.

Welche Rendite benötigt Opel und will GM?

Wir brauchen wieder Gewinne. Letztes Jahr haben wir 1,3 Mrd. Euro Verlust gemacht. Unser Ziel: Spätestens 2016 wollen wir schwarze Zahlen schreiben!

Mit welchen Sparmaßnahmen müssen die Opelaner in Rüsselsheim, Eisenach und Kaiserslautern rechnen?

Wir haben in Deutschland, England und Spanien mit unseren Mitarbeitern Verträge geschlossen. Dem Deutschland-Plan haben – mit einer Ausnahme – alle deutschen Standorte zugestimmt. Demnach werden Gehaltserhöhungen für ein Jahr ausgesetzt. Im Gegenzug sprechen wir keine betriebsbedingten Kündigungen aus.

Wie sieht es mit finanzieller Unterstützung seitens GM in den USA aus?


GM wird in die Marke Opel 4 Mrd. Euro investieren. Ein ganz klares und entscheidendes Signal. Das macht man nicht, wenn man nicht an die Zukunft glaubt. Außerdem hat GM Milliarden in ein eigenes Finanzdienstleistungsinstitut investiert. Wir haben jetzt wieder eine eigene Opel Bank. Und zuletzt investierten wir 230 Mio. Euro in unser Entwicklungszentrum in Rüsselsheim. Das hilft unseren 6 000 Ingenieuren hier.

Könnte Chevrolet nicht irgendwann die Marke Opel weltweit ersetzen?

GM hat sich ganz klar zur starken Rolle von Opel in Europa bekannt.

Könnte nicht der in Europa so erfolgreiche und in Korea produzierte Mokka zukünftig auch hier gefertigt werden?

Die Fabrik in Korea ist ausgelastet, weil der Mokka weltweit ein Erfolg ist. Natürlich wäre ich begeistert, wenn wir die europäische Produktion nach Europa holen. Aber es ist zu früh, darüber zu sprechen.

Stichwort Modellpolitik: Innovative Fahrzeuge wie der Ampera verkaufen sich nicht. Gerade mal 124 Stück fanden bundesweit in diesem Jahr bisher einen Kunden. Sieht so Opels Aufbruch in die elektrische Mobilität aus?

Immerhin haben wir im vergangenen Jahr über 5 000 Stück verkauft und waren damit Marktführer in Europa. Aber auch 5 000 sind völlig unbefriedigend. Trotzdem: Die Elektrifizierung wird kommen.

Wo liegen denn die größten Probleme?

Generell sind es die Kosten. Beispiel Elektromotor: Wegen der geringen Stückzahlen kostet er genauso viel wie ein kleiner Vierzylinder. Von dem einen produzieren wir vielleicht 10 000 Stück, von dem anderen viele Millionen. Oder die Elektronik mit der Batterie: Das ist eine komplizierte und teure Hochtechnologie! Ein Durchbruch ist im Moment noch nicht zu sehen. Aber er wird über kurz oder lang kommen, weil natürlich die ganze Welt daran forscht.

Bei den konventionellen Motoren führt Opel die neuen, effizienteren Aggregate einige Jahre zu spät ein. Warum?

Ich schaue nicht nach hinten, sondern nach vorn. Bis 2016 werden 80 % aller Motoren komplett neu sein.

Für frischen Wind sorgt der Adam. Aber ist er eigentlich ein richtiger Opel?

Klar, er wurde in Deutschland entwickelt und wird hier gefertigt. Er wirkt zwar jünger und freakiger, ist aber von seinen Genen her ein echter Opel. Mit ihm stellen wir unser Portfolio neu auf, fischen außerhalb unserer bestehenden Klientel – womit wir erfolgreich sind. Bester Beweis: sein Auftritt in „Germany’s Next Topmodel“.

Wird es noch Modelle unterhalb des Kleinwagens Adam geben?

Das hängt entscheidend von den künftigen CO2-Vorgaben und den finanziellen Möglichkeiten der potenziellen Kunden ab. Viele wollen ein kleineres Fahrzeug und geben für Besonderes auch mehr aus. „Lifestyle“ ist das Stichwort, wie beim Adam.

Was kommt als Nächstes?

Zur IAA kommt der neue Insignia mit neuen Motoren, neuen Designakzenten und einem neuen Bedienkonzept: weniger Knöpfe und aufgeräumter. Auch im Bereich Infotainment werden wir einiges bewegen. Im Adam sieht man das jetzt schon. Unser Kunde soll entscheiden, welche Apps, welche Musik oder welche Navigation er über sein Handy im Wagen auf einem großen Display nutzen will. Mit einer App, die 50 Euro und nicht 500 Euro kostet.

Kommt noch ein Traum- oder Sportwagen, wie früher der Speedster?


Dafür haben wir jetzt den Cascada, ein wunderschönes Auto,
das man sich auch leisten kann – für mich ein Traumwagen, wenn auch kein Supersportwagen.

Das Interview führten

Wolfgang Mache und Thomas Kroher

14.10.2013 | 10:16

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